Dio li crea, io li ammazzo! (1967)

(dt:Bleigericht/Bleichgesicht)

D:Dean Reed, Peter Martell (=Pietro Martellanza), Agnès Spaak, Piero Lulli, Linda Veras, Ivano Staccioli // R:Paolo Bianchini B:Fernando di Leo K:Sergio d'Offizi M:Marcello Gigante Ass.Regie:Tonino Ricci

Video:Arcade

In Wells City erregen mehrere Raubüberfälle den Unmut der Besitzenden. Da der Sheriff - ein ehemaliger Verbrecher - sich verdächtig unfähig anstellt, heuert man den berufsmäßigen Sonnyboy und Revolverschwinger Slim Corbett an, der sich auch sofort an die Fersen der Schuldigen heftet... Paolo Bianchinis erster Western ist nicht wirklich von Belang. Viel interessanter ist die Geschichte seines Hauptdarstellers, Dean Reed: Der in Colorado geborene Pop-Sänger spielte in einigen italienischen Filmen mit, bevor er Anfang der 70er aus Protest gegen das amerikanische Engagement in Vietnam in die DDR zog! Dort wurde er zu einem Aushängeschild des Regimes, Liebling der Massen und Mitglied des Weltfriedensrates. Sein langhaariger Schmalzcharme schlug eine Saite an in den Bürgern im realexistierenden Sozialismus. Niemals ein wirklicher Politico, war er dennoch überzeugter Pazifist und Linker, auch wenn es ihm - nachdem der Erfolg langsam abnahm, nach diversen Filmen als Schauspieler und Regisseur und einigen Schallplatten - dort zunehmend schlechter gefiel. In einem Interview, daß er 1985 für "60 Minutes" gab, sagte er so einiges, was sowohl in seiner Wahl- wie auch seiner richtigen Heimat für Mißtöne sorgte. 1986 wurde er aus einem See gefischt. Über sein Ableben - scheinbarer Suizid - gibt es bis heute wilde Spekulationen. In Potsdam wurde eine Oberschule nach ihm benannt. Peter Gehrig drehte eine gute Dokumentation, in der u.a. Karl-Eduard von Schnitzler befragt wird, der zu Reed meint: "Wenn's um Frieden geht, sollte einem jeder recht sein!" In DIO LI CREA, seinem ersten Western in Italien, gibt er eine akzeptable Elvis-Presley-Impression und singt auch den Titelsong. Sein gleimiges Aussehen beißt sich aber ein wenig mit dem brutalen Grundton des Filmes. In einer Szene foltert Oberschurke Peter Martell einen armen Mexikaner, indem er ihn kopfüber aufhängen läßt und mit einem Messer tranchiert. Auch fies Bruno Ariès Auftritt, als er sich vor den Augen von Martell und einem bösen Zwerg selbst eine Kugel in den Arm schießen muß, worauf sich die beiden kaputtlachen! Martell hat eine seltene Schurkenrolle mit Gehstock, der möglicherweise damit zu tun hat, daß er um die selbe Zeit in Giuseppe Colizzis DIO PERDONA...IO NO spielen sollte, dabei aber Streit mit seiner Freundin bekam und danebentrat, wobei er sich den Fuß brach! Seine Rolle bekam Terence Hill, der dadurch zum Star wurde. Martell ist es danach nicht gut ergangen. Schade, denn er war meist recht gut in seinen Filmen. Regisseur Bianchini hatte vor diesem Film hauptsächlich als Regieassistent gearbeitet, besonders häufig für Komödienspezialist Luigi Zampa. Seine ersten drei oder vier Filme waren qualitativ sehr unterschiedliche Agentenfilme, unter denen DEVILMAN STORY herausragt, der einen Oberschurken hat, der die Menschheit mit einem Vorläufer von VIDEODROME per Fernsehen vernichten will! Seine anderen Western bewegen sich, genau wie dieser, im Mittelfeld der zweiten Liga. Die deutsche Fassung von DIO LI CREA ist sehr kurz. Wenn man Nachschlagewerken trauen darf, fehlt ungefähr eine Viertelstunde. Da sollte man also auch die DDR-Fassung konsultieren, die da BLEICHGESICHT hieß. (Echt wahr!) Videofassung: Blendendes Format.
(CK)