Das Rasthaus der grausamen Puppen
AKA Dirty Angels
JAHR:D/I 1967, TV 1995 RTL

PRODUKTION:
REGIE: Rolf Olsen
DARSTELLER: Essy Persson (Betty Williams), Erik Schumann (Bob Fishman/Hill), Karin Field (Jane), Gabriella Giorgelli (Ester Burton), Helga Anders (Linda), Dominique Boschero (Silvia), Margot Trooger (Mrs Oland), Ellen Schwiers (Intendant Nippel), Steve Savo (Steve Cooper), Rolf v. Nauckhoff (Mr Oscar), Sergio Lanfredi (Mr Eledis), Balduin Baas (Lupus), Jane Tilden, Angelika Ott (Doris), Joachim Tege, Daniele Turk, Ilse Peternell (Mrs Twedell),
DREHBUCH: : Rolf Olsen
KAMERA:
MUSIK: : Erwin Halletz
SCHNITT:
KINO:
VIDEO:
LÄNGE:
Zu einer Zeit als die Rialto noch die eher gemächlichen Wallace-Inspektoren auf Mördersuche schickte, erneuerte Olsen die engen Horizonte deutscher Kinokonfektion auf seine unverwechselbar radikale Weise. Unterstützung erhielt er durch einige der damals interessantesten weiblichen Stars. Gabriella Giorgelli war 6 Jahre später noch einmal in dem Rino de Silvestro Frauenknast-Klassiker MÄDCHEN IM KNAST dabei. Dominique Boschero - schon früh in Hartwig-Produktionen zu sehen (WEIßE FRACHT FÜR HONG KONG) - war im Jahr darauf noch einmal die Partnerin von Helga Anders, in Margheritis SCHREIE IN DER NACHT. Margot Trooger ist noch bestens aus den HEXER - Filmen Alfred Vohrers und der Pipi Langstrumpf-Reihe in schöner Erinnerung. Und die mittlerweile (fast) verschollene Österreicherin Karin Field hat ja eine geradezu umwerfende Filmographie vorzuweisen.

Es gibt Filme, die drücken schon mal aufs dramaturgische Gaspedal, im Rasthaus aber explodiert ständig der Motor. Rolf Olsen, der hier - wie so oft - auch das Drehbuch verfasste, entwickelte einen Stoff, der leicht für 3 Filme ausgereicht hätte. Ein Umstand, welcher aus diesem Streifen ein Jahrhundertwerk werden ließ. Den Inhalt einmal kurz zusammen gefasst: Mrs Oland ist wegen ihrer weichen Zwiebel in psychiatrischer Behandlung. Da fällt es der Gruppe von Ausbrecherinnen, die sich im Titel gebenden Rasthaus versteckt hält, besonders leicht, die senile Frau zu entführen. Schlecht ist allerdings, dass Mr Oland seine indisponierte Gattin sowieso los werden möchte. So fällt der Erlös für die Geisel nicht all zu üppig aus. Da verschiedene Spuren die Polizei in das abgelegene Rasthaus zu führen scheinen, ist nun das Improvisationstalent der Ausbrecherrinnen gefragt. Und das lässt die Ereignisse im RASTHAUS auf überaus unterhaltsame Weise überschlagen.

Im Film reagieren die Figuren und Charaktere nie so, wie es ihrer Rollenauslegung entsprechen würde. Hemmschwellen müssen im Rasthaus an der Garderobe abgegeben werden. Ständig schießen die grausamen Puppen wahlweise un- oder übermotiviert durch die Gegend. Drohen und schreien, töten oder verletzen und lassen ihrer eher chaotischen denn grauenvollen Phantasie freien Lauf. Bestens unterstützt von der deutschen Synchro. Hier einige rhetorische Stilblüten: Die neugierige Mrs Twedell stirbt bei einem Sturz aus der ersten Etage des Rasthauses. Die Entführerinnen, allen voran Betty, nehmen keine Gefangenen. Kommentar der entführten Mrs Oland: "irgend etwas stimmt hier nicht!" Möglicherweise richtig mit ihrer Einschätzung über das Rasthaus liegt auch eine zufällig Schutz suchende Familie. Deren Mutter befindet: "Es sieht nett aus, frag doch mal." Nur Linda (Helga Anders, nahm sich 1988 selbst das Leben) ist von Kaltblütigkeit so weit entfernt wie Marylin Manson von G.G. Anderson. Ihr Gemüt präferiert fortwährende Weinkrämpfe.

Nach dem Genuss dieses Werkes dürfte jedem klar sein, Rolf Olsen war (und eigentlich ist er es noch) der unangefochten begabteste Genre-Regisseur deutscher Sprache. Dieser Film ist einer der schönsten Geschenke des Exploitation-Kinos an seine Verehrer. Einen wichtigen Beitrag dazu leistete natürlich auch wieder Erwin Halletz, mit seinem wunderbar poppigen DIRTY ANGELS-Thema. Und da dieser Soundtrack wirklich von Halletz ist, dürften auch keine Zweifel mehr daran bestehen, das die Musik zu "Perry Rhodan- SOS aus dem Weltall" auch ihm zugeschrieben werden muss!

RASTHAUS DER GRAUSAMEN PUPPEN ist ein trashiges Meisterwerk, welches bis heute nie eine ungeschnittene Wiederaufführung erfuhr. Vielleicht aber entdeckt ja das ein oder andere Label der Gegenwart diesen und andere Meisterwerke Olsens, um sie uns in einer schönen komplett remasterten Version auf DVD zu präsentieren.
mc